Selbstreflexion als Basis wirksamer Selbstführung

From the inside out

Vermutlich stimmen Sie mir bei der Aussage zu, dass die erfolgreiche Führung der eigenen Person eine „conditio sine qua non“ ist, um andere Menschen wirksam zu führen, um Glaubwürdigkeit auszustrahlen und auch um selbst eine hohe Lebensqualität zu erreichen. Bei den noch immer steigenden Anforderungen im wirtschaftlichen Kontext, einhergehend mit Instabilität und Ungewissheit, die durch die Corona-Krise noch verschärft wurden, ist die Selbstführung sicher wichtiger denn je.

I) Wie kommen wir zu einer starken Selbstführung?

Folgende Voraussetzungen sehe ich:

  • Selbstreflexion: Nur wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse, Werte und Ziele kennen, können wir uns danach ausrichten und planen, wie wir diese umsetzen. Nur wenn wir unser eigenes Verhalten auf den Prüfstand stellen und uns vielleicht auch die dahinter liegenden Ursachen anschauen, können wir uns daran freuen – oder es eben zukünftig verändern.
  • Selbstverantwortung: Nur wenn wir bewusst die Entscheidung treffen, kein Spielball von anderen Menschen oder den Umständen zu sein, wenn wir uns für proaktives Handeln entscheiden, sind wir in der Lage, unsere Planung und Ziele umzusetzen.
  • Mentale Stärke und emotionale Stabilität: Können wir auch in schwierigen Situationen noch klar denken und Ruhe bewahren? Können wir reflektiert mit unseren Gefühlen umgehen, oder unterdrücken wir diese oder lassen sie ungefiltert heraus?
  • Willenskraft: Dies ist die Eigenschaft, die wir brauchen, um unsere Talente und Potenziale, unsere Bedürfnisse und Ziele zu leben – und uns nicht gleich durch vermeintliche Fehlschläge entmutigen zu lassen.
  • Balance: Selbstführung hat auch mit Gesundheit und Selbstfürsorge zu tun. Mein „Getting balanced-System (https://www.monika-polk.de/training/training-training/) unterstützt dabei, eine gute Ausgewogenheit zwischen Disziplin und konzentriertem Handeln einerseits sowie Achtsamkeit und Geschehen-Lassen andererseits herzustellen.

Natürlich werden wir nicht in allen Bereichen den Idealzustand erreichen – dies wäre  unrealistisch und würde uns voraussichtlich zur vorzeitigen Aufgabe bringen. Aber wenn wir uns immer wieder bewusst machen, wie wichtig die einzelnen Punkte sind und kontinuierlich daran arbeiten, dann lässt uns das wachsen. Das Training dieser Voraussetzungen sind Bestandteile meines Seminars „Selbstführung“, das einzeln gebucht werden kann, aber auch Teil meines Jahresprogramms für Führungskräfte ist. In diesem Blog-Artikel hingegen will ich mich auf das Erkennen und Erfüllen von Bedürfnissen als einen Teil der Selbstreflexion beschränken.

II) Warum fällt es uns so schwer, Selbstreflexion in den Alltag integrieren?

Unsere heutige Zeit ist extrem außenorientiert. Es fällt uns schwer, uns Zeit für uns selbst zu nehmen und uns mit unseren eigenen Bedürfnissen, Werten und Zielen auseinanderzusetzen. Wenn wir tagsüber viel im Hamsterrad unterwegs sind, fällt es uns oft viel leichter, uns abends abzulenken, als uns bewusst für uns selbst zu öffnen und bspw. Yoga oder einen Waldspaziergang zu machen – oder uns mit unserem eigenen Selbst zu beschäftigen. Wir sind so stark in der Außenrotation, dass es viel Energie kostet, innezuhalten und den Weg zurück nach innen zu gehen – zu  unserer eigenen Mitte. Das ist ein entscheidender Punkt: Wir brauchen die Erkenntnis, dass es erst einmal Energie kostet, nicht einfach weiter zu funktionieren oder abzuhängen und im Anschluss die Entscheidung, diese Energie aufzubringen. Dann werden wir reich belohnt: Indem wir uns „in uns hinein“ entspannen, erkennen wir wieder, was uns wichtig ist und spüren uns und unsere Bedürfnisse wieder. Ein ganz wichtiger Begleiter dabei ist der bewusste, tiefe Atem.

III) Welche Grund-Bedürfnisse sind universell?

So individuell wir auch sein mögen – alle Menschen, unabhängig vom Kulturkreis haben Grundbedürfnisse auf vier unterschiedlichen Ebenen. Stephen R. Covey, der großartige Management-Vordenker, nannte diese LEBEN (physische Bedürfnisse), LIEBEN (soziale Bedürfnisse), LERNEN (mentale Bedürfnisse) und EIN LEBENSWERK SCHAFFEN (spirituelle Bedürfnisse). Natürlich kann individuell ganz unterschiedlich sein, wie sich die einzelnen Bedürfnisse konkret ausgestalten.

So gehören bei den sozialen Bedürfnissen für den einen vielleicht eine Vielzahl erfüllender Beziehungen und Freundschaften dazu, während für den anderen eine liebevolle Beziehung mit der eigenen Familie ausreichend ist. Wichtig ist, sich für alle vier Kategorien die eigenen Bedürfnisse klar zu machen, da deren Erfüllung ganz entscheidend zu unserer Lebensqualität beiträgt. Unerfüllte Bedürfnisse hingegen kosten uns stets Kraft und Energie und strahlen auch negativ auf die anderen Grundbedürfnisse ab. So mindern bspw. finanzielle Sorgen auch die Lebensqualität der anderen Bereiche deutlich.

V) Warum gerade die spirituellen Bedürfnisse nicht vernachlässigt werden dürfen!

Wenn ich meine Seminarteilnehmer frage, welchen Raum die unterschiedlichen Bedürfnisse in ihrem Leben einnehmen, dann spielen die spirituellen Bedürfnisse (bspw. nach Sinn) oft eine deutlich untergeordnete Rolle. Aber wenn wir eine Kategorie der Bedürfnisse nicht wertschätzen, bzw. nichts tun, um diese zu erfüllen, so fühlen wir uns häufig leer und unvollkommen – auch wenn wir dies oft gar nicht benennen können. Dies trifft auf die Bedürfnisse nach Sinn, Orientierung und innerem Einklang ganz besonders zu. Die Aussage, die ich in ähnlicher Form schon häufig gehört habe: „Eigentlich müsste es mir doch gut gehen. Ich habe meine beruflichen Ziele erreicht. Materiell bin ich abgesichert; familiär ist alles im grünen Bereich. Dennoch fühle ich mich leer und frage mich, ob das alles gewesen ist“, deutet oft darauf hin, dass der spirituelle Sinnzusammenhang fehlt – und damit das innere Feuer, das den anderen Dimensionen die wirkliche Kraft gibt.

Das Fehlen dieser spirituellen Dimension versuchen wir meist zu kompensieren. Vielleicht kennen Sie das auch bei sich selbst, dass Sie ein Gefühl der Leere versuchen, durch noch mehr ToDos, durch Belohnung mittels Essen, durch Süchte, exzessiven Sport, Fernsehen oder Internet auszugleichen? Oder neigen Sie möglicherweise zu einer Dringlichkeitssucht, und ordnen die dringenden (oft unwesentlichen) Dinge nach Prioritäten? Vielleicht verschaffen uns diese Aktivitäten Anerkennung von außen – aber unser Inneres lassen sie kalt. Anstelle einer tiefen inneren Befriedigung erhalten wir dann nur das künstliche Gefühl der Suchtbefriedigung – ohne uns dessen i.d.R. bewusst zu sein.

VI) Wie schaffe ich es, alle Bedürfnisse auf die Straße zu bringen?

Konkret und praktisch bedeutet dies, NACH INNEN zu gehen. Dies ist kein Selbstzweck für Yogis und Asketen, sondern geradezu essenziell für alle Führungskräfte und jeden von uns. Ich plädiere dazu, es zu einem festen Bestandteil unseres Alltags zu machen. Der Nutzen, den wir daraus erlangen, ist immens:

  • Anstatt eines Gefühls der Leere fühlen wir uns wieder verbunden mit uns selbst. Wir fühlen uns mehr und mehr zentriert und „ganz“.
  • Da wir IM AUSSEN umsetzen, was wir innerlich erfahren, kommen wir auf den Fahrersitz unseres Lebens. Wir verfügen wieder über einen Lebenskompass!
  • Wir fühlen uns nicht als Kopie, sondern authentisch und strahlen Souveränität, Kraft und Freude nach außen aus.

Für die Umsetzung in den Alltag gibt es eine Fülle unterschiedlicher Möglichkeiten. Leider haben wir in der Regel weder in der Erziehung, Schule oder Studium hierzu eine praktische Anleitung erfahren. Deshalb bedarf es am Anfang meist einer professionellen Begleitung, bspw. in einem individuellen Coaching oder Training.

Mit meinem System From the inside out unterstütze ich Menschen dabei, ihren ganz eigenen Weg zu finden, nach innen zu gehen und anschließend das dort Erfahrene (sei es Inspiration, Intuition oder die Stimme des Herzens) im Außen mit ihrem Verstand abzugleichen und in ein wirksames Handeln zu kommen. Der Ertrag ist immens!

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